Adresse
Hanns-Seidel-Stiftung - Kairo
7A, Hassan Sabri Str.
Zamalek 11211
Cairo (Egypt)
Tel.: +20 2 2735 4582 | Fax: +20 2 2735 4601
E-Mail: cairo@hss.de
Publikationen
HSS 30 Jahre Partnerschaft
zwischen
Hanns-Seidel-Stiftung
und
State Information service
Download der Publikation
Veranstaltungen
27 - 28 September 2010
Ain Sokhna
Preparatory Workshop for the Water Awareness-Raising Program
Ägypten

Geographie
Am nordöstlichen Rand Afrikas gelegen, bildet Ägypten das Bindeglied zwischen den alten Kontinenten dieser Erde, Afrika, Asien und Europa. Im Norden grenzt Ägypten an das Mittelmeer, im Osten an das Rote Meer. Die Nachbarn des Landes sind Libyen im Westen, Sudan im Süden und im Osten der Gazastreifen und Israel. Mit seinen 1,001,449 qkm ist Ägypten etwa zweimal so groß wie Frankreich.
Der Nil, der von Süden nach Norden verläuft, ist die Lebensader des Landes. Der Grossteil der restlichen Gebiete sind Wüsten, einschließlich der westlichen, der östlichen und der Sinaiwüste. Ägypten ist in 29 Gouvernorate unterteilt. Im Mai 2008 wurden 6.Oktober und Helwan vom Großraum Kairo abgespalten und kamen als eigenständige Gouvernorate zu den bisher 26 Gouvernoraten hinzu. Seit dem 7. Dezember 2009 ist Luxor auch eine eigenständige Gouvernorat.

Bevölkerung und sozialer Wandel
Mit einer Wachstumsrate von fast zwei Prozent überstieg die Einwohnerzahl in Ägypten bereits im Jahr 2008 die 81 Millionen. Für das meist dicht besiedelte Land der Region ist dies ein akutes Problem, da nahezu 97% der heranwachsenden Bevölkerung im Niltal und Nildelta leben, welche zusammen nur 4% der Landfläche ausmachen.
Besitzverhältnisse und Anbaupraktiken, die in der agrargeprägten Gesellschaft vom Wasserstand und den Nilfluten bestimmt wurden, veränderten sich mit der zunehmenden Urbanisierung und Industrialisierung Ägyptens im 19. und 20. Jahrhundert. Millionen von Migranten zogen auf der Suche nach Bildung und Arbeit in die Städte, in denen, hervorgerufen durch das rasante Wachstum, schnell Probleme wie Wohnungsbau, Wasser- und Luftverschmutzung auftraten.

Wirtschaft
Ägypten hat nach Saudi Arabien die zweitstärkste Wirtschaft in der arabischen Welt. Dabei macht der Dienstleistungssektor, einschließlich der öffentlichen Verwaltung, die Hälfte des gesamten Bruttoinhaltsprodukts aus. Tourismus und die Einnahmen aus dem Suez Kanal spielen für den Haushalt eine wichtige Rolle. Der Beitrag der Landwirtschaft zum Bruttoinhaltsprodukt nimmt schrittweise ab, trotzdem bleibt die Landwirtschaft ein wichtiger Faktor mit Baumwolle als führendem Exportprodukt. Obwohl nur knapp drei Prozent der gesamten Landesfläche anbaufähig ist, wurde 2005 15% des BIP der Landwirtschaft zugerechnet.

Ägypten - Basisdaten
- Gebiet: 1.01 mio. Quadratkilometer
- Landnutzung: anbaufähiges Land: 2.92 %
- Bevölkerung: 81.7 Millionen (2008)
- Bevölkerungswachstum: 1.682 % (2008)
- Geburtenrate: 22 pro 1.000 (2008)
- Todesrate: 5 pro 1.000 (2008)
- Säuglingssterblichkeit: 28 pro 1.000 Lebendgeburten
- Sprachen: Arabisch (Amtssprache), Englisch und Französisch in Bildungschicht gängig
- Regierungsform: Republik, mit einem gewählten Präsidenten und einer Legislative im Zweikammersystem
Über uns
Ägypten ist nach Togo das zweite außereuropäische Land, in dem die Hanns-Seidel-Stiftung ein entwicklungspolitisches Projekt begonnen hat. Seit 1978 ist die Stiftung mit einem Projektbüro in Kairo vertreten und verfolgt das Ziel, die Lebensbedingungen im Land zu verbessern. Die Strategie der Arbeit in Ägypten definiert sich dabei über die Gestaltungsprinzipien Partnerschaft, Nachhaltigkeit, Good Governance, Demokratisierung, Dezentralisierung, Capacity – Building, Bürger Beteiligung, Umweltschutz und Regionalisierung. Um die angestrebten Ziele zu verwirklichen arbeitet die Hanns-Seidel-Stiftung mit verschiedenen Partnern zusammen. Der erste Partner war das ägyptische Informationsministerium/ State Information Service. In Koordination mit ihm wurden unter anderem die Nilzentren ins Leben gerufen. Die existierende Infrastruktur, von heute 30 Nilzentren in allen 29 Gouvernoraten des Landes, bildet das Hauptinstrument für eine nachhaltige Entwicklung Ägyptens. Desweiteren arbeitete die Stiftung mit der ägyptischen Radio und TV Union, der Integrated Care Society und dem Ministerium für Verwaltungsentwicklung zusammen. In den vergangenen Jahren gab es auch Kooperationsprojekte mit der ägyptischen Umweltbehörde (EEAA) und dem Amt für Neue / Erneubare Energien.
Aktivitäten
Die derzeitigen Aktivitäten der Hanns-Seidel-Stiftung in Ägypten sind darauf eingerichtet, einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung des Landes zu leisten. Ein Schwerpunkt des Projekts mit der Informationsministerium/ State Information Service liegt bei der Kompetenzverbesserung der Lokalverwaltungen zur Dezentralisierung und das öffentliche Bewusstsein und die Beteiligung der Bürger an nachhaltigen Entwicklungsprozessen zu erhöhen; hier insbesondere in den Bereichen Umweltschutz und Stadtentwicklung. Das Herausbilden von Kompetenzen durch sog. Capacity Building Programs, die in zahlreichen Gemeinden innerhalb der Gouvernorate durchgeführt werden und auch das Installieren direkter Hilfsprojekte vor Ort (on-site actions) unter Beteiligung der Zivilgesellschaft, gehören zu den Hauptaktivitäten der Hanns-Seidel-Stiftung in Ägypten. Der Titel des Projekts, das gegenwärtig umgesetzt wird, lautet "Nile Centers for Information, Education and Training: An Instrument for Sustainable Development".
Projektziele
Unterstützung der ägyptischen Bemühungen eine dezentrale Verwaltungsstruktur aufzubauen, indem man die Kompetenzen der Lokalverwaltungen stärkt und die Bürgerbeteiligung bei Fragen der nachhaltigen Entwicklung im Umweltschutz und der Stadt- und Regionalplanung aktiviert.
Umsetzung der Projektvorhaben in allen 29 Gouvernoraten durch:
- aktive Bürgerbeteiligung in der Stadtentwicklung und bei Themen des Umwelt- und Naturschutzes
- Qualifizierung lokaler und regionaler Verwaltungsmitarbeiter zur Umsetzung nachhaltiger Entwicklungsstrategien
- Akzeptanz politischer Entscheidungen seitens der Bürger durch eine Beteiligung dieser am Entscheidungsprozess
- Identifikation mit politischen Entscheidungen durch demokratische Bewusstseinsbildung für Good Governance
Zielgruppen
- Bevölkerungsgruppen, welche an Entwicklungsvorhaben beteiligt sind oder bei deren Implementierung eine wichtige Rolle spielen
- Mitarbeiter lokaler und regionaler Verwaltungen, Mitarbeiter der Gouvernoratsverwaltung
- Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen und anderen Vertretern der Civil Society
- Mitarbeiter staatlicher und privater Unternehmen, welche an der Umsetzung der Projektziele in der Region beteiligt sind.
Maßnahmen
Praxisorientierte Workshops, Seminare, regionale und internationale Konferenzen. Zudem Einsatz von in- und ausländischen Kurzzeitexperten für Trainingsprogramme, Informationsreisen nach Deutschland für Führungskräfte, Mitarbeiter der regionaler Nilzentren und der zugehörigen Anlaufstellen, wie z.B. Umweltschutzbehörden und NGOs.
Projektpartner
- Informationsministerium/State Information Service
- Umweltministerium/EEAA
- Gouvernoratsverwaltungen
- Nichtregierungsorganisationen
- Deutsche Institutionen in ägypten
Projekte der Hanns Seidel Stiftung
Projekt: Nile Centre for Information, Education and Training: An Instrument for Sustainable Development (INFODEV)
Partner: State Information Service, Informationsministerium, Gouvernorate
Zeitraum: 2007- 2015
Das Projekt hat als Oberziel die Stärkung des Verantwortungsbereiches lokaler Verwaltungen als Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedürfnisse in unterentwickelten Regionen. Das Projektziel ist hierbei die Steigerung der Bürgerbeteiligung bei lokalen Entwicklungsprojekten zu Umwelt- und Naturschutz, Kulturerhaltungsmaßnahmen und zur Regional- und Stadtentwicklung im ländlichen Raum. Dazu sollen die Nilzentren einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Infrastruktur in den unterentwickelten Regionen leisten.
Projekt: Informations- und Kommunikationszentren für Regionale Entwicklung (INFOREG)
Partner: State Information Service, Informationsministerium, Governorate
Zeitraum: 1998- 2006
Die bestehenden Nilzentren wurden zu Informations- und Kommunikationszentren ausgebaut. Bestandteil des Projekts war, in diesem Zuge, auch die Ausbildung der Nilzentrenmitarbeiter in moderner Kommunikationstechnik und der selbständigen Veröffentlichung eines Newsletters, der über regionale Probleme berichtet. Ziel dieser Maßnahmen war es, die Beteiligung der Bürger an Entwicklungsprozessen zu steigern und die Kompetenz lokaler und regionaler Verwaltung zu stärken. Das Projekt bemühte sich Verständnis für die sehr spezifischen Regionen Ägyptens zu wecken und diese Kriterien bei der Ausarbeitung von Entwicklungsplänen mit einzubeziehen. Lokale Probleme wurden nun verstärkt unter regionaler Perspektive und zusammen mit den betroffenen Bürgern und Verwaltungen erörtert und angegangen. Eine Herangehensweise auch zum Wohle des – von der Regierung angestoßenen – Dezentralisierungsprozesses.
Projekt: Pädagogische Weiterbildung von Medienvertretern zur Verbesserung von Kinder- und Jugendprogrammen
Partner: Ägyptische Radio- und Fernseh-Union, Informationsministerium
Zeitraum: 1992- 2003
Inhalt: Vertreter der Medienbranche, wie z.B Journalisten, Produzenten, Moderatoren, Radiosprecher usw. wurden pädagogisch weitergebildet, um die kinder- und jugendgerechte Gestaltung der Medienprogramme zu fördern. Dabei wurden die Teilnehmer, in einer ersten Phase,in die pädagogischen und psychologischen Grundregeln und - Zusammenhänge eingeführt und für den Wert und die Notwendigkeit von Kindheit - hierbei auch speziell für die Bedürfnisse des ägyptischen Kindes – sensibilisiert. In einer zweiten Phase wurden diese theoretischen Erkenntnisse auf die praktische Umsetzung übertragen, sodass Medienprogramme entwickelt wurden, die die Kreativität, Selbstständigkeit und Kritikfähigkeit der Kinder und Jugendlichen fördern sollten. Das Projekt hat somit zur Verbesserung der Vielfalt und Qualität von Kinder- und Jugendprogrammen in der ägyptischen Medienlandschaft beigetragen.
Projekt: Weiterbildung für Erzieher/-innen
Partner: Integrated Care Society
Zeitraum: 1987- 1990
Inhalt: In praxisorientierten Kursen wurden Erzieher im Bereich Sprachförderung,Geschichten erzählen, Puppentheater, Malen, Zeichnen und Papierspiele ausgebildet, um Heranwachsende ganzheitlich und kindgerecht zu betreuen. Zudem wurden Fortbildungen für Kindergarten- und Grundschullehrer organisiert.
Projekt: Management Training Center- Kairo
Partner: Management Development Centre for Industry, Ministerium für Verwaltungsentwicklung
Zeitraum: 1983- 1997
Inhalt: Einheimische mit Trainerausbildung wurden zu Management- Trainern weitergebildet. Auf diese Weise wurden die Absolventen befähigt selbst Spezialkurse zu marktwirtschaftlichen Themen zu übernehmen und im Unterricht Anderer das erworbene Wissen weiterzugeben.
Projekt: Nilzentren zur kommunalpolitischen Erwachsenenbildung
Partner: Informationsministerium/State Information Service
Zeitraum: 1978-1997
Inhalt: Um den politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel Ägyptens in den 70er Jahren zu unterstützen wurden die Nilzentren gegründet. Sie waren dazu da, die Bürger darin zu unterstützen, nationale und lokale Probleme zu erkennen und mit ihnen umzugehen. Dabei setzte man auf Bildungsmaßnahmen und die Diskussion. Im Jahre 1991 wurde dieses Projekt vom United Nations Security Council mit dem 'Ambassador of Peace Award' ausgezeichnet. Die Nilzentren erhielten ihn auf Grund ihrer konkreten Erfolge auf dem Gebiet der Ausbildung und der Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit in den internen Informationszentren und für ihren großen Beitrag zum sozialen Dialog.
Ein Anzeichen für die Nachhaltigkeit dieses Projektes ist es, dass die Nilzentren noch heute zum Prozess der nachhaltigen Entwicklung Ägyptens beitragen und dabei gänzlich von der eigenen Regierung finanziert werden, d.h. die Nilzentren sind, seit 1997, dazu in der Lage von der Stiftung unabhängig zu arbeiten. Als weiterer Indikator für die Nachhaltigkeit des Projekts kann gelten, dass die Zentren auch weiterhin als Podium für spezielle Seminare, Workshops, Diskussionsrunden und Trainingskurse, die in Kooperation mit der Hanns-Seidel-Stiftung geplant und organisiert werden, zur Verfügung stehen.